Fr 22Feb2019

„Jugend. Altern in Würde war gestern“

Das Jungsein als immer dominanteres Element im Leben und im Pop nehmen sich Binder & Krieglstein in ihrem fünften Album vor. War auf der Vorgängerplatte New Weird Austria die Volksmusik das bestimmende Motiv, so wird sie diesmal zu einem von vielen. In erster Linie ist Jugend eine frenetische Rückkehr zur elektronischen Popmusik, zu den galoppierenden Beats, die am Dancefloor gleichermaßen funktionieren wie am Tanzboden.

Und es ist wie immer bei Binder & Krieglstein: Jeder Titel spricht verschiedene musikalische Sprachen, von Techno und Reggae bis Humpadumpa Quetschkommode - und jeder Track überrascht durch unerwartete Wendungen. Auch der textliche rote Faden des Albums ist das Thema Jugend, das aus mehreren Perspektiven beleuchtet wird. Die elektronische Politur des Albums spiegelt kristallklar die musikalische Sozialisation der über Vierzigjährigen, die seit ihrer Kindheit unter Bedingungen des Pop gedacht, gelernt und gelebt haben. Ihnen bleiben das Gefühl des Jungseins und die Suche nach einer (musikalischen) Revolte als Herausforderung schlechthin.

In popkultureller Hinsicht können wir nicht mehr altern, wir sind durch die ständigen Wiederholungen zur ewigen Jugend verdammt. „Würdelos altern“, unlängst von Radiomacher Fritz Ostermayer als Lebensmotto ausgerufen, wird so zur einzigen Möglichkeit, um noch gegen den Mainstream zu verstoßen. Es geht Binder & Krieglstein mit Jugend aber auch um das Spiel der Generationen. Angesichts der musikalischen Retro-Schleifen seit den 90er Jahren interessiert die Frage: Wie gehen die Jungen heute mit Altem und Neuem, mit Wiederholung und Variation, mit Identifikation und Abgrenzung von musikalischen Vorbildern um? Das alles thematisieren Binder & Krieglstein angenehmerweise unter Verzicht sowohl auf den Retro-wie auf den Ironie-Overkill.

Ein subtiles – manchmal sogar hinterfotziges – Album für Junge, die viele Musikrichtungen nur als Recycling-Produkt kennenlernen, und für Ältere, die sich noch erinnern können, wie alles begann. Die für Binder & Krieglstein von jeher wichtige Zielgruppe der RadfahrerInnen wird besonders das Lied „Jungs“ mögen, das neue Fahrradlied für die urbane und mobile Szene. Rainer Binder-Krieglstein geht wie gewohnt auch für das neue Album eine Reihe von Kooperationen ein. Zuallererst ist da Stammsängerin Makki, daneben Jacques Busch (Spring and the Land), Bernhard Schnur von Snakkerdu Densk, Uwe Bubik (Sans Secours), der Nino aus Wien, Monique Fessl, Raumschiff Engelmayr (Bulbul) und Thomas Petritsch (Effi).

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